Jenseits sprachlicher Grenzen – ein kunsttherapeutisches Angebot für AussteigerInnen aus Glaubensgemeinschaften, Kulten und Sekten

>>Wenn Worte fehlen, sprechen Bilder<<  - Gertraud Schottenloher

Im Rahmen meines Masterstudiums biete ich 2018 eine kunsttherapeutische Beratung für AussteigerInnen aus sog. prägenden Gruppen (Glaubensgemeinschaften), Kulten und Sekten an.

Die kunsttherapeutische Beratung findet als Gruppenangebot mit maximal 16 Teilnehmenden statt. Im Seminar tauschen wir uns über unsere Erfahrungen aus. Wir experimentieren mit künstlerischen Mitteln und setzen uns mit gehörten Themen, wie z. B. unseren eigenen Grenzen, zusätzlich mit dieser anderen Sprachform auseinander. Ich verstehe Kunst als eine Form der Sprache. Ähnlich wie ein Traum eine eigene Sprachform hat und uns über ihn sprechen lässt, selbst wenn wir nicht alles verstanden haben, kann und Kunst helfen Dinge implizit durch ein Bild nach Außen zu bringen.

In der kunsttherapeutischen Beratung geht es somit weniger um den Anspruch der Kunst als darum, sich selbst mit künstlerischen Mitteln und Materialien zu erfahren und einen Ausdruck für Dinge zu finden, an die wir mit unseren Worten nicht gelangen.

 

Im Seminar wird eine Auflockerung der Themen stattfinden, die durch die vorherige Auseinandersetzung vom Bild mitgetragen werden und mit Hilfe des Abstandes zum Bild neu betrachtet und (re-)integriert werden können. Unser Tun leitet uns, neue Facetten erhalten Raum. Das künstlerische Material unterstützt dabei unsere Wahrnehmung und Schaffensprozesse können sehr viel Freude bereiten.

Wo kann ich meine Grenzen aber auch Möglichkeiten besser spüren als im Handeln mit der Metapher des künstlerischen Betätigung? Was passiert, wenn ich über ein Blatt hinaus male? Wie sieht es aus, wenn ich über eine Grenze hinausgehe? Was empfinde ich, wenn ich über den Rand hinausmale?

Durch künstlerisches tätig sein – und sei es nur ein einziger Strich– wird unsere Wirksamkeit und das Gefühl der eigenen Kontrolle spürbar: Jede Wahl ist die eigene, ob Farbe, Form oder Maluntergrund. So kann einem das eigene Handeln zeigen, wie die Welt wahrgenommen wird und wo man sich im Leben gerade befindet, auch wenn darüber momentan keine Klarheit besteht. Am Blatt/gewählten Material lassen sich spielerisch Lösungswege erproben, die dazu anregen, dass sie tatsächlich in den Alltag übersetzt werden. Wir können negativen (Grenz-)Erfahrungen neu begegnen und positive innere Bilder schaffen, um uns der Welt gestärkt zuzuwenden.

Wie in künstlerischen Prozessen ist jedoch auch in kunsttherapeutischen Einheiten wenig vorhersagbar, was genau passieren wird – getreu dem Motto: Alles kann, aber nichts muss. Mit meinen Kenntnissen aus der Kunsttherapie und meiner biografischen Eigenerfahrung des Aufwachsens bei den Zeugen Jehovas bringe ich Möglichkeitsräume mit. Ich freue mich, Sie ein Wochenende auf Ihrem Lebensweg zu begleiten.

 

Was ihr also erwarten könnt…

  • Umgang mit Materialien wie Acrylfarbe, Buntstifte, Papier,…

  • Konkrete Einführung in Themen und Material

  • Möglichkeit sich mitzuteilen

  • Möglichkeit des Rückzugs und eine Auseinandersetzung mit sich selbst

  • Selbstbestimmt die Gestaltung durch Material zu verändern

  • Schwierigkeiten, die zu überwinden sind oder Fehler, die sein dürfen

  • Etwas mitnehmen zu können

  • Spielen und ausprobieren

 

 

Elena Aicher

Kunsttherapeutin, B.A.
Studierende Masterstudiengang Kunsttherapie HKT/HfWU

Biografische Eigenerfahrung mit Zeugen Jehovas