Geistige Freiheit

Abgewandelt von Steven Hassan's BITE Model of Cult Mind Control 

von Adrian Oertli

 

Was Sekten überhaupt ausmacht, empfand ich im Modell von Steven Hassan am konkretesten herausgearbeitet, da es sich um ein möglichst Ideologie-unabhängiges Beschreiben dessen bemüht, was denn eine Sekte überhaupt zu solch einer macht. Das vorliegende Manifest ist nichts anderes als das Gegenteil von dem.

 

„Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.“

Kurt Tucholsky 

Verhaltensfreiheit

1. Freiheit über Handhabung der Lebensbedingungen

2. wo, wie und mit wem Mitglieder leben, verkehren oder keinenKontakt mehr halten sollen

3. wann, mit wem und wie Mitglieder Sex haben

4. Freiheit über die Art von Kleidung und Frisur der Mitglieder

5. Freiheit über Ernährung – Aufklärung statt Kontrolle bzglgesunde/stärkende Ernährung

6. genügend Schlaf

7. Förderung der existenziellen und finanziellen Absicherung

8. Flexibilität bzgl. Frei-, Ruhe- und Ferienzeit

9. Kein Zwang zu Gruppenschulung, Ritualen und/oder Selbstschulung

10. Grosse und Lebensentscheidungen können individuelle getroffen werden

11. Verhindern von Gruppendenken durch Wertschätzung abweichender Meinungen, Einführen eines „Advocatus Diaboli“ (mit der Aufgabe immer Gegenargumente zu bringen), getrenntes Sammeln von Pro-/Contra-Argumenten, Trennen von Person und Argument durch Anonymisierung,  Abstimmungen mit Mehrheitsentscheiden, um Konsensdruck bei drängenden Entscheidungen abzubauen, paralleles Erproben verschiedener Lösungsansätze

12. Regeln und Vorschriften sind flexibel, werden regelmässig hinterfragt

13. Verzicht auf Belohnungs-/Bestrafungssysteme -> IntrinsicherWert von Verhaltensweisen zählt

14. Förderung von Respekt/Verständnis gegenüber anderenDenk-/Regelsystemen

15. Transparenz/Öffentlichmachung bezüglichEntscheidungsprozessen, inneren Entwicklungen und Widersprüchen,Verantwortlichkeiten


 

Emotions-/Selbstzugang

  1. Alle Emotionen oder Bedürfnisse werden als sinnvoll erachtet („Für was ist das hilfreich“?)

  2. „Nur Du kannst wissen, was gut für Dich ist“, „ich bin ok – Du bist ok“ „Ich bin nicht da, um Deine Erwartungen zu erfüllen, Du bist nicht da, meine Erwartungen zu erfüllen“

  3. Keine Double-Binds -> klares formulieren von Bitten

  4. Misstrauen gegenüber Führungs-/Entscheidungsstrukturen wird als wichtigen Beitrag für gute Entscheidungen wertgeschätzt

  5. Das Lehren von Techniken um Emotionen und dahinterliegende Bedürfnisse besser wahrnehmen zu können

  6. Attribution aller Probleme der Mitglieder auf unerfüllte Bedürfnisse

  7. Abbau von Unzulänglichkeits- oder Schuldgefühlen durch Förderung des Verständnisses für das Zustandekommen ungünstiger Ereignisse

  8. „Du hast immer dein Bestmögliches gegeben!“

  9. „Du bist nicht dafür verantwortlich wie Deine Familie ist“

  10. „Deine Vergangenheit ist Produkt vielerlei Umstände, die nicht unter Deiner Kontrolle waren“

  11. „Deine Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen machen sicherlich Sinn, auch wenn Du es noch nicht bewusst verstehst“

  12. Auflösung von Opfer-/Täter-Rollen -> Gewalt ist nur solange ein Problem, solange man zulässt, dass diese zu Erfolg führt

  13. keine gruppenbezogene Schuldzuschreibung -> „Du bist nicht verantwortlich für das Handeln Deiner Vorfahren, Deiner Ethnie etc.“

  14. Jeder ist für sich selbst verantwortlich (Ausnahme: Kinder!)

  15. Fördern von Sicherheit durch:

  16. Verbaler und nonverbaler Ausdruck von Zuwendung/Verständnis

  17. Einbeziehen, ansprechen und einladen von Aussenseitern

  18. Suggerieren von Hoffnung auf Freiheit/Erlösung im Dies- oder Jenseits

  19. Schutz vor Traumatisierungen durch sexuelle und/oder sonstige physische Gewalt durch spezielle Kontrolle, Überwachung und Therapie von Menschen, die dahingehend eine Gefahr darstellen

  20. Aufklärung über Gefahren von Suggestion/Hypnose/Manipulationstechniken

  21. Verzichten auf Auf-/Abwertungen von Personen, Fokus auf Verhaltensweisen und dadurch erfüllte Bedürfnisse

  22. Respekt gegenüber Verschlossenheit von Einzelmitgliedern, Intim-/ und Privatsphäre

  23. Förderung des Bewusstseins über persönliche Grenzen -> z.B. dass auch ungefragte Ratschläge Grenzüberschreitungen darstellen können!

  24. Anti-Phobische Massnahmen: Ermutigung zum Ausdehnen der individuellen Komfortzone durch Botschaften wie:

  25. Ausserhalb der Gruppe kann man auch Glück finden

  26. Auch bei Verlassen der Gruppe ist man immer wieder willkommen.

  27. Aussteiger sind immer willkommen -> Interesse für gewonnene Erfahrungen durch Familie, Freunde Gesellschaft (heimkehrende Helden)

  28. Wertschätzung all jener, die die Gruppe verlassen haben als mutig, wissenshungrig, spirituelle Sucher, Entdecker und Helden

Informationskontrolle

1. Transparenz

a. einfaches Zugänglichmachen von Informationen -> je höher die Hierarchie, desto grösser der Druck nach Transparenz!

b. Verzicht auf die Beschönigung von Tatsachen

c. systematische Aufklärung des Gruppenmitglieds

2. Fördrung und Entmutigung von Zugang zu gruppenfremden Informationsquellen einschliesslich:

a. Internet, TV, Radio,Bücher, Artikel, Zeitungen, Magazine,andere Medien

b. kritische Informationen

c. Ex-Mitglieder

d. Mitglieder genügend Zeit bereitstellen für Recherche und Reflektion

e. Datenschutz für Einzelmitglieder

3. Kein Aufteilen von Informationen in Outsider- vs.Insider-Lehrmeinungen

a. Sicherstellen, dass Informationen frei zugreifbar sind

b. Bereitstellen von Informationen unabhängig von Stufe oder Aufgaben innerhalb der Gruppe

4. Ermutigen zum Respekt gegenüber der Privat- und Intimsphäre anderer Gruppenmitglieder

a. nur bei klar definierten Anlässen akuter Gefährdung Dritter(z.B. Gewaltdrohungen) wird Verhalten von der Gruppe überwacht

5. Minimierung von Gebrauch von der Gruppe erschaffenen Informationen und Propagandamitteln, einschliesslich:

a. Newsletter, Magazine, Zeitschriften, Ton- und Videoaufnahmen,Youtube, Filme etc.

b. Förderung von seriösem Umgang mit nicht-gruppenbezogenen Quellen, Erklären wissenschaftlicher Standards, Wertschätzung spezialisierten Fachwissens

6. Schutz von unethischerm Gebrauch von Schuld-/Selbstbekenntnissen

a. Datenschutz/Schweigepflicht

b. Förderung von Verständnis und Vergebung

c. Verifizieren von Erinnerungen, Schutz vor dem Schaffen falscher Erinnerungen über Bewusstsein über Potential von Suggestionen

7. Schutz und Unterstützung von kritischen Mitgliedern, Kritik als Hinweis für unerfüllte Bedürfnisse innerhalb der Gruppe!

8. Überwindung der Trennung von Rednern und Zuhörern durch Schaffung von viel Raum für Diskussionen, Podiumsdiskussionen mit Vertretern abweichender Meinungen, Möglichkeiten zur Gegendarstellung, Aufteilung in Kleingruppen


 

Gedankenkontrolle

1. Die Anforderung an Mitglieder das Gruppendoktrin kritisch zu hinterfragen

a. Anerkennung verschiedener Realitäten, Perspektiven und Schwerpunkte

b. Hinterfragen von Schwarz-Weiss-Denken

c. Für was(!) ist etwas „gut“ oder „schlecht", nichts ist an sich gut oder schlecht!!

d. Verzicht Einteilen von Menschen in „wir“ und „sie“(Insider vs. Outsider), jeder spricht nur für sich!

2. Interesse und Förderung der Identität und Individualität einzelner Mitglieder, z.B, durch Würdigung der speziellen Erfahrungswerte, welche ihre Vorgeschichte ihnen ermöglichte

3. Vermeiden aufgeladener Sprache und Clichés welche Wissen behindern, kritische Gedanken stoppen und Komplexitäten reduzieren auf platte Stichwörter -> Förderung von Allgemeinverständlichkeit durch klare und einfache Sprache

4. Abweichende Gedanken sind wertvolle Hinweise auf unerfüllte Bedürfnisse

5. Nur explizit angekündigte Anwendung hypnotischer Techniken mit Aufklärung über Sinn und Zweck der Intevention (informed consent!)

6. Erinnerungen werden durch zusätzliche Perspektiven ergänzt -> Psychoedukation über Subjektivität und Verzerrungen in Erinnerung

7. Techniken werden gelehrt, die das Prüfen der Realität bestärken:

a. Pro/Contra-Listen,

b. Psychoedukation über Denkfehler/Irrationalismen

c. Lehren von wissenschaftlicher Methodik

d. Zur Verfügung stellen wissenschaftlicher Erkenntnisse

8. Zur Verfügung stellen von rationalen Analysen, kritischem Denken, konstruktiver Kritik

9. Kritische Fragen zur Gruppe, dem Führer, dem Doktrin oder der Taktik werden bestärkt

10. Andere Glaubenssysteme werden als legitim, aus guter Intention entstanden und als wertvolle Inspiration propagiert

11. Reflektion von Sinn von Wörtern und möglichen Missverständnissen in der Kommunikation durch verschiedene Verständnisse einzelner Wörter (z.B. Freiheit=Frei von eigenen Bedürfnissen sein)

  1. Verhaltensfreiheit

  2. Emotions-/Selbstzugang

  3. Informationsfreiheit

  4. Gedankenfreiheit

Geistige Freiheit:

  1. Verhaltensfreiheit

  2. Emotions-/Selbstzugang

  3. Informationsfreiheit

  4. Gedankenfreiheit

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